Johannisberg
Von der Viehweide zum Festgelände
Zwischen dem Johannisberg und dem Sparrenberg quert ein Tal den Kamm des Teutoburger Waldes. Dieser Pass begünstigte die Ansiedlung der Stadt Bielefeld. Während der Sparrenberg zunächst mit einer Burg, später mit einer mächtigen Festung gekrönt wurde, diente der Johannisberg über die Jahrhunderte als Viehweide, Gartenland und Brennholzlieferant. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als die Stadt im Zuge der Industrialisierung expandierte.
Es begann die glanzvolle Zeit des Johannisbergs, der zu großen Teilen in den Besitz der 1831 gegründeten Bielefelder Schützengesellschaft geriet. 1840 erwarb der Verein eine Fläche von etwas mehr als 3 Hektar, um 1930 waren es etwa 12 Hektar. Im Laufe der Jahre vermehrten sich auf diesem Gelände die Gebäude, die der Erholung und dem Feiern dienten. Hier befanden sich eine Ton- und eine Bierhalle, ein Weinzelt, eine Schießanlage, die Modersohn-Hallen mit Kegelbahn, ein Musikpavillon, eine rote und eine blaue Laube sowie ein Kirmesbereich mit Tanzzelten, der den Namen Bethlem trägt. Den krönenden Abschluss bildete das1894/95 gebaute Schützenhaus mit seinen prächtigen Sälen und Terrassen. Für ein gutes Jahrhundert fanden die großen Feste auf dem Johannisberg statt. Hier kamen die Schützen und die Sänger zusammen. Hier spielte die Musik zum Tanz und zu großen Konzerten auf.
Im Strudel der Geschichte
Der Zweite Weltkrieg beendete die große Zeit des Johannisbergs. 1942 wurde auf dem heutigen Parkplatz ein Barackenlager für etwa tausend Zwangsarbeiterinnen errichtet. Bei dem großen Bombenangriff im September 1944 wurde das Schützenhaus zerstört. Zwar wurde es 1949 wieder provisorisch aufgebaut, doch schon nach wenigen Jahren sah sich die Schützengesellschaft aus wirtschaftlichen Gründen genötigt, den größten Teil ihres Grundbesitzes auf dem Johannisberg an die Stadt Bielefeld zu verkaufen, die das Gelände als Grünfläche und Landschaftsschutzgebiet auswies. In den 1960er Jahren wurde das Schützenhaus abgerissen und später an seiner Stelle ein relativ schmuckloser Hotelbau errichtet (heute: Mercure Hotel Bielefeld). Das Ausflugslokal Johannislust entwickelte sich nach 1969 zu einem legendären Ort der Protestkultur in Bielefeld, bevor es im Mai 1986 unter großem Polizeieinsatz geräumt und abgerissen wurde. Auf dem alten Festplatz fanden weiterhin Zirkusveranstaltungen, Flohmärkte und auch das alternative Kulturfest Spätfrühling statt.
StadtParkLandschaft
Zu Beginn des neuen Jahrtausends entwickelten der Landesverband der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) und das Bielefelder Umweltamt Ideen über die Gestaltung des Johannisbergs im Rahmen des Projekts StadtParkLandschaft. Bereits Anfang des Jahres 2004 legte das Büro Landschaftsarchitektur Ehrig über den historischen Park zunächst eine Bestandserfassung und 2008 einen Konzeptplan vor (Parkpflegewerk I und II). Aber erst 2009 konnte mit der Bautätigkeit begonnen werden, nachdem zuvor die Finanzkrise 2008 die Umsetzung infrage gestellt hatte, dann jedoch die Bundesregierung das Konjunkturpaket II verabschiedete und damit die nötigen Mittel bereitstellte. Bis 2013 dauerte die weitgehende Wiederherstellung des historischen Parks auf dem Johannisberg, die allerdings noch nicht ganz abgeschlossen ist: Die Sanierung der großen Stützmauer inklusive des dortigen Wegebaus steht noch aus. Für die Parkgestaltung erhielt das Büro Ehrig den NRW-Landschaftsarchitektur-Preis 2014. Die enge Beziehung von Johannisberg und Sparrenberg fand ihren architektonischen Ausdruck in den beiden preisgekrönten Informationsgebäuden aus Stampfbeton, die der schweizerische Architekt Max Dudler an der Dornberger Straße und in der Sparrenburg errichten ließ.
Ein Park mit Geschichte
Für mehr als ein Jahrhundert prägte die Bielefelder Schützengesellschaft von 1831 e.V. den Johannisberg. Sie hatte damals ein Geschäftsmodell entwickelt, das es erlaubte, einen großzügigen Park anzulegen und zu pflegen. Die Stadt Bielefeld benötigte die Anschubfinanzierung eines Konjunkturpakets, um die Wiederherstellung der historischen Parkanlagen auf dem Johannisberg zu realisieren. Der Unterhalt muss jetzt mit den knappen Mitteln des kommunalen Haushalts bestritten werden. Statt auf Golfplatzniveau geschorene Rasenflächen erfreuen artenreiche Wiesen nicht nur die Insekten. Die Relikte der Vergangenheit regen ebenso wie die Denkmäler an, über die deutsche Geschichte nachzudenken: auf der einen Seite die Erinnerung an gefallene Soldaten und die Gedenkbäume, auf der anderen Seite das Mahnmal Unter Zwang, der Barackenumriss und der Gedenkstein zur Erinnerung an das Zwangsarbeiterlager. Der historische Park auf dem Johannisberg lädt zum Spaziergang ein.
Werner Hennings, Johannisberg Geschichten. Ein Spaziergang. 15. Band der Bielefelder Edition, Bielefeld 2025.
Youtube-Video „Spaziergang über den Johannisberg“